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Cake day: Apr 26, 2022

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Hallo, ich bin neu hier ^^ Hiermit möchte ich meine Teilnahme an dem Wettbewerb einreichen (Tealk meinte, dass es in Ordnung wäre, wenn ich hier poste). Möglicherweise bin ich leicht am Thema vorbei, aber was solls, einen Versuch ist es wert.
Traumgespinste

Im Mondenschein lag sanft atmend der Wald, hier rief ein Käuzchen, dort raschelte ein Riesentausendfüßler. Fröhlich summend hüpfte ein grüner Winzling durch die Sträucher. Pino hatte ein paar lustige Monster kennengelernt und vor lauter Toben die Zeit vergessen. Seinen Augen reichte jedoch der bleiche Schein, der hier und da durch die Äste tröpfelte. Doch all die fröhlichen Gedanken zwischen den großen Ohren bannten seine Aufmerksamkeit. Er sah nicht die grünen, roten und gelben Augen, die zu zweit, dritt und acht hungrig zwischen den Zweigen funkelten. Auch die im Mondlicht blitzenden Fänge, von denen der Geifer lief, entgingen ihm. Nun stimmte er ein Liedchen an, sprang über eine große Wurzel und blieb mit seiner rechten Hinterpranke hängen. Wäre das Monsterchen wachsamer gewesen, hätte es die ausgestreckte Klaue gesehen, die dort gelauert hatte. Mit erschrockenem Schrei auf den Lippen spürte Pino schon den Aufprall in seiner Schnauze. Doch der Schmerz blieb aus. Selbst nach zwei weiteren Augenblicken stellte er sich nicht ein. Stattdessen verspürte das Monster ein seltsames Ziehen im Bauch und fühlte sich ungewohnt leicht. Erst öffnete Pino ein Auge, dann verwirrt das andere und wollte erst nicht glauben, was sie ihm zeigten. Der Boden entfernte sich von ihm! Oder er sich vom Boden? Egal, jedenfalls stieg er immer höher, was ihm eigentlich gar nicht so recht war. Denn auch, wenn er manchmal für einen kleinen Drachen gehalten wurde - fliegen konnte er definitiv nicht. Nach ein wenig Zappeln zeigte sein Bauch gen Himmel und nun sah er, was vor sich ging. Dünne, im fahlen Licht silbrig schimmernde Fäden klebten an ihm. Sie endeten über ihm, weit entfernt vom Unterholz, in einem großen, kunstvollen Gespinst, das zwischen den Kronen mehrerer Bäume gewebt worden war. In der Mitte des Netzes saß, dunkel vor dem Sternenhimmel, eine große, glänzend-schwarze Spinne, die allmählich die Fäden einholte, an denen Pino hing. Aufgeregt begann er zu zappeln, die Luft zum Jaulen blieb ihm weg. “So ein Verhalten gehört sich aber nicht für einen Gast”, ertönte eine warme Stimme. Da erkannte das Monster, dass die Spinne gesprochen hatte. “Wer bist du?”, fragte er mit Zittern in der Stimme. “Ich bin Arachna, die Hüterin des Waldes. Ich sorge dafür, dass kleinen, ungestümen Monstern kein Unheil zustößt.” Sanfter, als er es für möglich gehalten hatte, ergriff die Spinne Pino mit zwei Beinen und setzte ihn auf einen Ast, wo sie ihn mit ihren Augen betrachtete. “Danke.” Pino war sehr verlegen. “Von dem Sturz hätte ich bestimmt Nasenbluten bekommen.” “Gern geschehen”, antwortete sie mit einem Schmunzeln in der Stimme. “Und nun bringe ich dich nach Hause.” Arachna kletterte Geschickt von Ast zu Ast, während das Monster auf ihrem Rücken saß, Fäden wie Zügel mit den Pranken umklammert. So schaukelte er sicher und gemütlich seinem Zuhause entgegen, während das runde Gesicht des Mondes auf sie herablächelte. Immer schwerer wurden Pinos Augenlider, bis sie sich vollkommen schlossen, dafür aber die Pforte zum Traumland freigaben. Nachdem Arachna ihn behutsam zu Bett getragen hatte, verschwand sie samt ihrer Fäden. Als Pino am nächsten Morgen erwachte, wusste er noch, dass er einen abenteuerlichen Traum gehabt hatte. Oder … war es vielleicht gar keiner gewesen?